Experiment Philosombrie

Die Liebe zu den Kräften, die im Schatten liegen

 

„Es geht darum, sich mit allen Persönlichkeitsteilen auszusöhnen.
Denn das, was in Dir nicht sein darf, lässt DICH nicht sein.“

Debbie Ford, Autorin von „The Shadow Effect“

 

Der Begriff des Schattens stammt vom Schweizer Psychologen Carl Gustav Jung. Es ist im Grunde ein anderer Name für das, was Sigmund Freud als das Unbewusste bezeichnete. In den letzten Jahren hat sich der Ausdruck Schattenarbeit verbreitet, vor allem im Umfeld der „integralen“ Theorie, die auf den spirituellen Philosophen Ken Wilber zurückgeht.

Der Schatten besteht aus all den Facetten unserer selbst, die wir unter Verschluss halten, um unsere Persona, wie C.G Jung sie nannte, nicht zu gefährden. Das Wort Persona benannte ursprünglich die Maske antiker Schauspieler, durch die sie sprachen (lat. personare = hindurchtönen). Im Verständnis C. G. Jungs ist unsere Persona die andere, die Außen-Seite des Schattens: die öffentliche, strategische Erscheinung, mit der wir uns durchs Leben schlagen – unsere soziale Maske.

Das Tragische an der Schattenbildungs-Strategie ist, dass wir die unterdrückten, verleugneten, abgespaltenen und abgelehnten Anteile nicht zum Verschwinden bringen, indem wir sie verbergen. Im Gegenteil, aus den Kellergeschossen unseres Ich-Konstruktes heraus bestimmen sie unser Denken, Fühlen und Handeln. Meist offenbaren sie sich indirekt: Zum Beispiel, indem wir immer wieder das Gleiche erleben, obwohl wir glauben, alles dafür zu tun, dass es sich ändert. "Eine innere Situation, die man sich nicht bewusst gemacht hat, taucht außen als Schicksal auf", wie C.G. Jung es formulierte.

Deshalb stimmen wir Ken Wilber zu, wenn er sagt: „Schattenarbeit ist ein absolut entscheidender und grundlegender Teil des Wachstums und der Entwicklung jedes Menschen.“ Denn nur, wenn wir die Kräfte befreien, die uns heimlich steuern, ist es möglich, die Muster zu verändern, in denen wir gefangen sind.

Allerdings müssen wir gestehen, dass wir das Wort Schatten-Arbeit nicht wirklich mögen. Denn unsere Erfahrung ist, dass der Umgang mit den Schattenwelten zwar durchaus Mut erfordert sowie  … die Konfrontation mit Peinlichkeit und lange eingefrorenen Gefühlen – aber es handelt sich hier nicht um Mühe, Schweiß und Stress. Sagen wir es offen: Philosombrie ist in weiten Teilen eine sehr lustvolle, kreative und herzerwärmende Angelegenheit. 

 

 

 

"Der Grund, warum wir unser Herz so oft verschließen, liegt darin, dass wir nicht wirklich offen für uns selbst sind. Große Teile von uns selbst sind uns so unwillkommen, dass wir jedes Mal davonlaufen, wenn sie auftauchen.
Wenn wir dagegen bereit sind, uns vorbehaltlos mit uns selbst anzufreunden und uns selbst niemals im Stich zu lassen, sind wir in der Lage, auch anderen Menschen beizustehen und ihnen unsere Hilfe mit einem offenen Herzen anzubieten.
Wenn wir lernen, unsere Herzen zu öffnen, kann jeder unser Lehrer sein – auch die Menschen, die uns in den Wahnsinn treiben."

 

Pema Chödrön, buddhistische Lehrerin

 

von Marcus v. Schmude

Für viele Menschen ist der spirituelle Weg kein Pfad der Selbstliebe, sondern ein permanenter Krieg gegen sich selbst. Egal, ob die Persönlichkeit optimiert oder das Ego ausgerottet werden soll – irgendwas ist immer falsch. Marcus v. Schmude plädiert dagegen für ein empathisches Willkommenheißen unserer Unvollkommenheit und lädt die bisher bekämpften Dämonen zum fröhlichen Tanz ein.

von Achim Ecker

Verdrängte Gefühle aller Art tummeln sich in unserem Unbewussten – Traumen der eigenen Biografie genauso wie kulturell Abgelehntes. Auch Talente und Fertigkeiten warten im Untergrund darauf, an die Oberfläche zu kommen und sich zu entfalten. All das ist lebendige Energie, die wir tagtäglich mit hohem Kraftaufwand unterdrücken. Unser Kollege Achim Ecker mit einer profunden Einführung ins Schatten-Thema.